
“Lautschriften”: Schüler werden zu Literaten
Die Bild-Ton-Schere einmal produktiv zu nutzen – das war und ist die Idee des Schreibwerkstätten-Projekts „Lautschriften - Vom Film zum Buch“.
Während ein literarisches Werk häufig als Grundlage für einen Film dient, wurden den Teilnehmern dieses Projekts Kurzfilme vorgestellt, die Impulse für die Erstellung einer Geschichte schaffen sollten. Die Besonderheit: Die Filme wurden ohne Ton gezeigt, sodass die jungen Autoren sich allein von den gezeigten Bildern und der Atmosphäre zu ihren ganz eigenen Interpretationen des Gesehenen anregen lassen sollten.
Ein halbes Jahr lang haben auch 6 Schülerinnen und 2 Schüler der Rhenanus-Schule an diesem vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst geförderten Projekt mitgearbeitet. Ihnen an die Seite gestellt hat sich der in Weimar lebende Autor und MDR-Literaturpreisträger Stefan Petermann, der selbst mehrere Erzählungen in der Tradition des Magischen Realismus geschaffen hat – und von dem auch einer der Kurzfilme des Projekts stammt.
Petermann ist in dieser Zeit immer wieder an die Rhenanus-Schule gereist, um die jungen Leute bei der Entwicklung ihrer Texte zu begleiten. Gefördert wurden sie obendrein von den engagierten Rhenanus-Deutschlehrerinnen Franziska Meister und Lucia Henke-Booß.
Das Krönung dieses Prozesses ist die Aufnahme der Schüler-Texte in die von den Fischer Kinder- und Jugendbuchverlagen herausgegebene Anthologie „Lautschriften 2023“, die inzwischen gedruckt vorliegt und am heutigen Abend mit Lesungen vor Publikum in feierlicher Atmosphäre gewürdigt wird.
In dem in edles Blau getauchten Raum tritt zunächst die Schul-Band „The Clefs“ mit dem bezeichnenden Titel „I don’t want to be a hero“ auf, bevor Michaela Deutschmann-Weise von der Schulleitung die Gäste begrüßt und dieses Projekt eingehend erläutert. Dabei verweist sie auch auf den Mechanismus, demzufolge die Bilder, die der Leser bei der Lektüre eines Textes in seinem Kopf entwickle, sich bei der Verfilmung desselben Stoffs kaum einmal wiederfinden ließen. Dies führe oft zu Enttäuschungen: „Denn wie soll der Regisseur auch von meinen eigenen Bildern wissen?“
Der in diesem Projekt gegangene entgegengesetzte Weg – vom Kurzfilm ohne Ton hin zur Geschichte – hingegen gebe den Autoren eine Chance zum kreativen Umgang mit dem Stoff.
Stefan Petermanns Unterstützung dieses Prozesses habe dabei vom Lektorat bis hin zum Sprachcoaching gereicht. Jetzt sei daraus ein Buch entstanden, auf das die Autoren Zeit ihres Lebens stolz sein könnten.
Für den heutigen Abend hat Petermann sich gar als Moderator der Lesungen zur Verfügung gestellt.
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