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Feiern in Zeiten von Corona: „Don‘t stop me now“

Vor gut einem Jahr noch lagen die Inzidenzen im Werra-Meißner-Kreis nahe oder gleich null, heute übertreffen sie die 2500er-Marke. Eltern, Schüler/innen und Lehrer/innen der Rhenanus-Schule zeigen trotz alledem, dass sie sich ihre lang geplante Abschlussfeier nicht nehmen lassen wollen. 
Kraftvoll begrüßt die Rhenanus-Band „Clefs“ die Gäste in der Aula mit dem Queen-Song „Don‘t stop me now“, dessen erster Vers „Tonight I'm gonna have myself a real good time“ die Stimmung in der Halle zu treffen scheint: Anmutige junge Frauen in ihren eleganten Roben und junge Männer in ihren perfekt sitzenden Anzügen, um sie herum stolze Eltern und Freunde.

H9 2022   R10 2022

 

Zur Wahrheit jedoch gehört auch: Die Band selbst hat unter der Pandemie zu leiden: Statt der üblichen sieben Mitglieder stehen heute mit Helena Dingert, Paul Hilbert und Bandleader Christian Wiechert die unverwüstlichen Drei auf der Bühne.  

Aber auch die Reihen der Schülerschaft haben sich empfindlich gelichtet: Von den 25 Absolvent/innen der Realschulklasse R10 etwa können gleich acht die Feier nur online von zu Hause aus mitverfolgen, darunter gerade auch solche, die heute Abend als Jahrgangsbeste geehrt werden sollten. 

Tragische Ironie, dass dies gerade einen Jahrgang trifft, dessen letzte Schuljahre ohnehin schon vom Wüten der Pandemie und dementsprechend immer wieder vom Lernen aus der Distanz geprägt waren. 

Darauf weist auch Rhenanus-Direktor Dr. Jörg Möller in seiner Ansprache an die Absolventen hin: „Ihr seid diejenigen, die am meisten unter Corona zu leiden hatten.“

Unter solchen Bedingungen habe manche Herausforderung im Lernen schlicht nicht zur Lebensphase der Lernenden gepasst. Obendrein hätten manche Schüler zu Hause viel mehr Unterstützung als andere erhalten.

Umso erfreulicher sei, dass dennoch alles zu einem guten Ergebnis gekommen sei - und er hoffe, dass der Abend so würdig werde, wie „die herrliche Kleidung“ der Absolventen es signalisiere. 

HR-Zweig-Leiter Christian Marchewka berichtet, von den 14 Absolventen der Hauptschulzweiges haben acht einen qualifizierenden Abschluss erreicht. Sechs von ihnen werden nun den Realschulzweig besuchen.

Unter den 25 Realschul-Absolventen haben gleich 17 einen qualifizierenden Abschluss erworben, der ihnen den Besuch der Oberstufe ermöglicht. Vier von ihnen werden nun das Abitur an der Rhenanus-Schule anstreben. 

Die besten Leistungen an der Hauptschule erreichten: Dominik Köhler (mit der Durchschnittsnote 2,0), Vanessa Marhold (2,3) und Pepe Krüger (2,3).

An der Realschule stachen mit ihren Leistungen hervor: Jan Tschense (1,3), Eileen Paschke (1,4), Moritz Krumsig (2,1) und Louis Hüge (ebenfalls 2,1).

Jan, Moritz und Louis können ihre Würdigung leider nicht in Präsenz auf der Bühne erfahren, sondern nur online zugeschaltet miterleben. Der besonders große Beifall gerade auch für sie ist jedoch nicht zu überhören.
Für die Klasse H9 bedankt sich Dominik Köhler in seiner Ansprache dafür, dass die Lehrkräfte immer an der Seite der Klasse gestanden hätten, „egal, was wir gemacht  haben.“ Xenia Beresuzki und Jessica Kruth würdigen in der Abschiedsrede für die R10 insbesondere das Engagement ihrer Klassenlehrerin Lucia Henke-Booß, die obendrein „Steitschlichterin, Seelentrösterin und Schiedsrichterin“ in einem gewesen sei und den „chaotischen Haufen“ von der R7 „auf einem steinigen Weg“ ans Ziel geführt habe. 
Reminiszenzen wurden wach - an Stühle, die flogen, überflutete Toiletten, Fenster, die sich nicht öffnen ließen, an Überforderungen im Fach Mathematik, in dem die meisten Arbeiten wiederholt werden mussten. „Wir waren eben keine Mathe-Genies.“
Aber auch die Erinnerung an den Online-Englischunterricht, der stets mit optimistischen Songs wie „Don‘t worry, be happy“ begann und der ihnen tatsächlich geholfen habe, die englische Grammatik „besser als die deutsche“ zu verstehen.
Zu Tränen gerührt ist Klassenlehrerin Lucia Henke-Booß im Publikum, wenn die Schülerinnen sie an die Verse des Sarah-Connor-Liedes „Es war gut“ erinnern:

„Ich weiß, jeder Moment geht mal zu Ende und ich schau' zurück 

Halt kurz an in diesem Augenblick

So viel Liebe, viele Hände

Wart ihr wirklich da?

Mir wird jetzt erst klar, wie groß es war.“

Nach der Auszeichnung der Lehrer/innen der Klasse versprüht Christian Wiechert als Klassenlehrer der H9 mit seinem überaus spritzigen Vortrag schiere Lebensfreude: 

„Könnte euch jetzt ja die klassische Rede halten, von wegen »eine Tür schließt sich und eine neue öffnet sich« und so weiter.“  

Stattdessen aber karikiert er mit viel Situationskomik charakteristische Szenen aus dem Unterrichtsalltag der H9, wobei er sich selbst als Romeo unter dem Klassenzimmerfenster porträtiert und die Schülerschaft als eigenwillige Julia. Er berichtet von fliegenden Schwämmen, hastig versteckten Handys, dicker Luft im Raum, von vergessenen Zetteln, vertrockneten Pflanzen, aber auch von lustigen Gesprächen mit redegewandten Schülern („Das wart ihr alle“), davon, dass er nach Klassenfahrten seinen Namen einfach nicht mehr hören mochte („Ich weiß doch, wie ich heiße“), aber auch vom großen Gruppenzusammenhalt, wenn es darum ging, ein Feindbild aufzubauen.
Vorbildlich sei die Klasse gewesen, wenn es um Exkursionen ging. Immer seien sie vom Guide gelobt worden, hätten Hitze und Kälte ausgehalten und  seien vor allem herzlich und vertrauenswürdig gewesen. Zum Abschied schenkt er ihnen allen einen kleinen gelben Ball, der symbolisch für die Kreativität und die Besonderheit stehe, die in ihnen stecke. 

Lucia Henke-Booß erinnert sich an ihre Klasse zunächst als „echte Pubertiere“, denkt an viele Elterngespräche mit verzweifelten Klagen, an Hilflosigkeit auf Eltern- und auf Lehrerseite.
Mit einem Schlag habe jedoch große Ruhe geherrscht: Die Zeit des Lockdowns sei hart für die Klasse gewesen. Die Klassenlehrerin berichtet von heimlichen Treffen der Schüler hinterm Bahnhof oder auf dem Festplatz, „um Jugend irgendwie doch auszuleben“. Und bis zum heutigen Abend verfolge das Thema die Klasse:

„Abendkleider, die im Schrank hängen und die heiß ersehnte Abschlussparty, die abgesagt wurde - das alles ist traurig und so ungerecht, denn ihr habt euch so sehr auf diesen Moment gefreut.“ 

Einen markanten Unterschied aber habe sie nach dem Lockdown bei alledem doch erlebt: Nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht seien aus den „Pubertieren“ junge Heranwachsende geworden, mit denen niveauvoller Unterricht möglich geworden sei - und aus der zerstrittenen Klasse eine Gemeinschaft mit „Wir-Gefühl“. 

HR-Zweig-Rektor Christian Marchewka erinnert in seiner Abschlussrede an all die „Unterrichtsformen“, die die Schüler/innen in den letzten Jahren pandemiebedingt „erleben und manchmal auch ertragen“ mussten: „Distanzunterricht, Wechselunterricht, Präsenzunterricht, Homeschooling wegen Quarantäne, Moodle, Schulportal, Big Blue Button, regelmäßiges Stoßlüften, Frieren im Winter bei offenem Fenster und natürlich Testen, Testen, Testen.“ Die Notwendigkeit, sich in diesem wechselvollen Zeiten selbst zu organisieren und die Angebote der Schule wahrzunehmen, sei eine große Herausforderung gewesen. Diese Mühe unter erschwerten Bedingungen werde heute durch den Schulabschluss gekrönt. Christian Marchewka schließt mit einem herzlichen Dank an die Elternschaft und an die Lehrerschaft - und freut sich auf ein Wiedersehen mit den Absolventen. 

Und auch wenn die lange geplante Feier ausgefallen ist, so wird doch auf dem Schulhof vor der Aula noch lange in großen Gruppen gelacht, gefeiert, getrunken, gekichert und gejubelt. Wer diese Zeiten überstanden hat, der lässt sich nicht unterkriegen.

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