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Im Huhngraben 2

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Bei Anruf Mord

Anruf 2

Im Jahre 3 nach Corona und fast 70 Jahre nach Alfred Hitchcocks Krimi-Klassiker „Dial M for Murder“ mit Grace Kelly hat sich Isabelle Sterns Theatergruppe an der Rhenanus-Schule daran gemacht, den Stoff gehörig gegen den Strich zu bürsten: Aus Hitchcocks 5-Personen-Kammerstück – fast alle Szenen spielen im selben Zimmer - ist dabei fantasiegeleitetes Experimentaltheater geworden: 

Da geht es nicht mehr nur um Tony, den betrogenen Ehemann in Geldnöten, der einen alten Studienfreund mit Akribie und Hinterlist dazu erpressen will, für ihn das vermeintlich perfekte Verbrechen zu begehen: Dieser soll nach einem raffiniert arrangierten Plan Tonys untreue Ehefrau Margot ermorden, auf deren Erbe es der angeblich treusorgende Gatte abgesehen hat. Mit einem Telefonanruf bei seiner Frau will Tony den Mord einerseits in Gang setzen und ihn andererseits in Echtzeit am Hörer mitverfolgen.  

70 Jahre später ist die Welt komplizierter geworden und so hat die Stern-Truppe aus dem Kammerspiel ein zeitgenössisches Panoptikum von Figuren entwickelt, die ihre jeweiligen Farbtupfer zum Geschehen beitragen. Bevor aber die eigentliche Handlung einsetzt, geben laute Herzschläge und ein Handyklingeln einen Ausblick auf die Mordszene: Dabei wird Margot (die nun Chantal heißt) nicht mehr nur von einer, sondern von fast allen anderen Personen des Dramas zu Boden gerissen, und es wird ihr die Schlinge um den Hals gelegt: Die Frage, ob „Albtraum oder Wahrheit“, wird zum Motto des Stücks.

Überhaupt Margot: Hitchcock signalisierte ihren jeweiligen Status noch ganz markant durch die Farben ihrer Kleider: vom unschuldigen Weiß, das Grace Kelly zu Beginn trägt, über das laszive Rot bis hin zum Aschgrau der vermeintlichen Sünderin. Chantal hingegen ist heute durchweg in elegantes Schwarz gekleidet, muss sich aber durch eine farbenreiche Fülle von Figuren hindurchbewegen, die zwischen Ernst und Selbst-Ironie pendeln, jeweils ihre eigenen Macken oder gar Leichen im Keller haben, aber bei alledem das Publikum stets aufs Neue amüsieren:

Die Skala reicht vom überaus charmanten Chauffeur über den blasierten Butler, der seine Herrschaft mit pampigen Antworten provoziert, den korrupten Richter, den Räuber und den Gendarm, falsche Freundinnen, verwöhnte bis sadistische Töchter bis hin zu einer resolut auftretenden mannstollen Oma - zum schieren Vergnügen des Publikums. Ehemann Tony hat immer noch Geldsorgen, nun aber auch noch eine Geliebte, die er so wie einst den Schulfreund für seine dunklen Absichten instrumentalisieren möchte.

Licht in die Verwicklungen bringen soll dabei ausgerechnet eine erfolglose Privatdetektei, deren Inhaber nach einem Unfall aber seine ganz eigenen Probleme hat und dessen Herz und volle Aufmerksamkeit seiner Zimmerpflanze Herbert gehören – zum großen Kummer seiner Assistentin.

Einen Kontrapunkt zu dieser furiosen Figurenpracht bildet dabei die ganz in Schwarz und mit großem Ernst auftretende Tochter Elena, die verstorben ist und – ähnlich wie einst der Geist von Hamlets Vater - nur für die Hauptfigur wahrnehmbar ist, die sie vor dem Unheil bewahren will.

Am Ende aber wird aus dem Opfer eine Täterin und das Publikum soll – im Sinne Brechts – darüber befinden, ob „schuldig“ oder „unschuldig?“: „Was ist die Wahrheit?“      

Nach über zwei Jahren erzwungener Theater-Abstinenz genossen Akteure wie Zuschauer es offensichtlich, dass endlich wieder einmal live und vor großem Publikum gespielt werden konnte. Vorbereitet hatten Isabelle Stern und ihre sehr jungen Schauspieler aus den 5. und 6. Klassen das Stück seit September 2021, wobei sich bis kurz vor der Aufführung immer wieder Änderungen ergeben haben – inhaltlich, aber auch personell: Aufgrund von Corona-Erkrankungen mussten einige Rollen binnen kürzester Zeit neu besetzt werden. So ist es Samira Saparlan, Anna Hilmes und Henri Becker in der Rekordzeit von nur drei Tagen gelungen, die Rollen des Tony, des Richters und des Privatdetektivs einzustudieren und zu interpretieren.

Unübersehbar war, wieviel Spaß es den verblüffend jungen Akteuren bereitete, in ihre Rollen hineinzuschlüpfen und diese selbstständig zu entwickeln.  Mitgewirkt haben Samira Saparlan (Tony), Marina Müller (Chantal), Luise Klenke (Tonys Geliebte), Hannah Trube (Oma), Magdalena Rotter (Butler), Anna Hilmes (Richter), Henri Becker (Detektiv), Olivia Hartmann (seine Assistentin), Neele Hildebrand (Chantals Freundin), Tamino Herfurth (Dieb und Chauffeur), Jana Albarus (Elena, verstorbene Tochter), Emely Hennemuth (Tochter Ella), Lilith Botha (Tochter Lotta), Lara Brocke (Hund und Polizist), Emily Neumann (Freundin der Töchter).

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