Rhenanus-Schule
37242 Bad Sooden-Allendorf
Im Huhngraben 2

Weihnachtskonzert: Emotionaler Abschied in der Halle des Bergkönigs

„Ist das schön - eine volle Kirche“, freute sich Pfarrer Thomas Schanze augenzwinkernd als Gastgeber des diesjährigen Rhenanus-Weihnachtskonzertes. „Gut, dass das langjährige Exil in Sooden“ vorbei sei.

Michaela Deutschmann-Weise von der Schulleitung dankte den Pfarrern und der St. Crucis-Gemeinde dafür, dass sie die Besatzung und den Ausnahmezustand während der Probenzeit erduldet hätten.

Das Programm eröffnen Inga Löser und ihr Orchester stilgerecht mit Bachs „Konzert in D-Moll“ und nachgerade romantisch mit dem „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“: Nachdem den beiden Kindern der vertraute Wald bei der Beerensuche unheimlich geworden ist, greift der gute Sandmann ein und lässt sie friedlich auf dem Waldesboden einschlafen. Engel steigen herab, um über die verirrten Kinder zu wachen.

Auf diese Weise weidlich beruhigt und in Sicherheit gewogen, wird das Publikum vom Orchester bald jedoch in gefährliche nordische Gebirgsgefilde geführt - bis in die „Halle des Bergkönigs“. In Edvard Griegs Vertonung von Henrik Ibsens Versdrama „Peer Gynt“ verscherzt der Titel- und Antiheld sich die anfängliche Sympathie des alternden Bergkönigs, verspottet dessen tanzende Tochter und erregt auch den Zorn der Trolle, die ihn jagen und quälen wollen.

Ein dämonisches Stück Programmmusik: Das übliche Betonungsschema des Taktes wird aufgebrochen und die Vorstellung einer entfesselten Verfolgungsjagd ausgelöst.

Das Orchester und Inga Löser ernten Beifallsstürme für ihre Leistung.

Zuvor hatten sie mit dem Stück „Anitras Tanz“ bereits auf Peer Gynts schmerzliches Abenteuer mit der Tochter eines Wüstenhäuptlings angespielt. Der Antiheld lässt sich ziellos treiben, stolpert von einer unüberlegten Situation in die nächste, ohne dabei jedoch zu reifen, weder intellektuell noch moralisch. Peer Gynt entwickelt keine Anzeichen einer eigenen Identität, abgesehen von seinem steten Narzissmus. So sehen viele in Ibsens 1867 erschienenem Werk das Drama des modernen Menschen überhaupt.

Zeit für junge und kreative Köpfe!

Die versierten Moderatoren Clemens Kampmann und Yannis Stegmann, beide bereits zum 5. Mal im Weihnachtskonzert-Einsatz, künden mit der Gruppe „Clefs“ unter der Leitung von Christian Wiechert eine musikalische Ideenwerkstatt an: Auch in diesem Jahr haben die „Clefs“-Sängerinnen Helena und Cora-Lee wieder einen eigenen Weihnachts-Song verfasst, der diesmal um die entscheidenden Fragen „Denkst du noch an mich?“ und „Ob wir wieder zusammenfinden?“ kreist.

Gleichwohl mag auch in ihrem aktuellen Titel alles so beglückend enden wie in den klassischen Weihnachts-Filmkomödien – wie etwa in „Tatsächlich Liebe!“ mit Hugh Grant und den vielen anderen „Lonelyhearts at Christmas“.

Scheinbar ausgelassen fröhlich angefangen hatten die „Clefs“ diesmal mit „Santa Claus is coming to town“, einem Song, der allerdings aus der Zeit der Großen Depression in Amerika stammt - den 1930er Jahren - und der damals dazu aufrufen sollte, nicht mehr zu weinen und zu klagen („You better not cry / You better not pout“) und sich stattdessen gerade in den Weihnachtstagen großzügig zu zeigen, um auch den weniger Glücklichen einen Hoffnungsschimmer zu gönnen.

Endgültig im Griff haben die „Clefs“ ihr Publikum mit dem Calum-Scott-Song „You are the reason“, einer melancholischen Ballade, in der jemand seine Fehler bedauert und gern die Zeit zurückdrehen würde, um zu heilen, was er zerstört hat.

Die Zeit anhalten möchte auch das Publikum, das entschlossen eine Zugabe einfordert - und sie mit dem Jamie-Lawson-Hit „Can‘t see straight“ auch erhält.

Wie schon seit Jahren überzeugen die „Clefs“ mit ihrem natürlichen Charme sowie mit ihrer Frische und Unbeschwertheit.

Der Kontrapunkt wird nach der Pause gesetzt. Unter der Leitung von Michael Stanzel entführt der Kammerchor das Publikum in die Welt des frühen 17. Jahrhunderts. Mit dem Psalm 96 („Singet dem Herrn ein neues Lied“) in einer Vertonung von Heinrich Schütz präsentiert der Chor ein Loblied auf Gott, den Schöpfer und Richter aller Welt. 

Chorleiter Stanzel verlangt seinen Sängerinnen und Sängern hier einen ganz langen Atem ab - und ist sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Das anschließende „Adventslied“ wurde von Ernst Friedrich Richter, einem Thomaskantor, im späten 19. Jahrhundert komponiert. Der Text jedoch entstammt noch der Feder Martin Luthers. Wie die – auch heute - gut vorbereiteten Moderatoren anschaulich erläutern, ist das Stück gekennzeichnet durch den Kontrast zwischen der romantisch geprägten Komposition einerseits und den Worten Martin Luthers andererseits. Erkennbar wird die Handschrift des Reformators etwa in der 5. Strophe, in der es heißt: „Er sprach zu seinem lieben Sohn / Die Zeit ist hie zurbarmen / Fahr hin, meins Herzens werte Kron / Und sei das Heil der Armen / Und hilf ihm aus der Sünden Not / Erwürg für ihn den bittern Tod / Und laß ihn mit dir leben“.

Geradezu „joyful and triumphant“, also fröhlich und triumphierend, sollte es dann in der Kirche werden, als anschließend die Saxophone und daraufhin auch die Trompeten der Rhenanus-Band „Boneless“ das Weihnachtslied „Adeste fidelis“ intonierten. Großzügig unterstützt wurden die jungen Musiker dabei auch in diesem Jahr wieder durch den Professional Costica Zaharia am Bariton-Saxophon, der seinem Instrument mitunter unerhört tiefe Töne entlockte. Durch ihr variantenreiches Spiel stellten die Musiker der Band ihr Können und ihre Flexibilität unter Beweis, mittels derer sie das ausgefeilte Arrangement dieses Stückes bewältigten.

Nach einer ebenfalls innovativ arrangierten Variante des Beatles-Hits „Help“ kündigt Moderator Clemens Kampmann nicht nur einen, sondern gleich mehrere Abschiede von Abiturienten aus der Band an:

Mit seinem Freund und Moderatoren-Kollegen Yannis Stegmann wird die Formation einen erstklassigen Trompeter verlieren (er spielt schon seit seinem vierten Lebensjahr) – und, so muss hier einfach hinzugefügt werden, die Schule wird sich von einem engagierten Ehrenamtler und begnadeten Kommunikator trennen müssen, von dem man gewiss noch hören wird.

Hören aber wird man an diesem Abend zunächst noch Yannis‘ Abschieds-Solo: Dazu wählte er  ein Stück des Jazz-Trompeters Al Hirt aus New Orleans aus, das dieser 1963 aufgenommen hatte: Yannis spielt den rasanten Titel „Java“ mit großem Können und offenkundiger Freude.    

„Servus“ sagen muss nun auch Oliver Schöniger, vom Moderator schmunzelnd als „hauseigener Udo Jürgens“ tituliert, womit Clemens sich auf das Programm der Band im Jahre 2017 bezog, in dem Oliver als Solist mit vielen Titeln des Österreichers brillierte.

Heute Abend jedoch begleitet der Abiturient sich selbst am Piano und spielt sein Können als Elton-John-Adept aus mit dem Titel „Your Song", womit er beim Publikum frenetischen Beifall erntet, dem er mit den Versen „My gift is my song / And this one's for you” seine Reverenz erwiesen hatte.

Ein wenig Tränen in den Augen hatte sie bereits, als sie ans Mikrophon trat: Denisa Zaharia, die vom Moderator als „unsere Whitney Houston“ angekündigt wird.

 „Der Abschiedsschmerz hört noch nicht auf“, fügt Clemens hinzu und erinnert daran, wie verzückt die Weihnachtskonzerts-Zuhörer schon bei Denisas erstem Auftritt vor fünf Jahren von ihrer kraftvollen Stimme waren.

Von ihrem Publikum verabschiedet sie sich mit dem beziehungsreichen Whitney-Houston-Titel  „I have nothing / If I don't have you“. Die Verse des Liedes sprechen dabei für sich:

“I don't wanna have to go”, singt Denisa und das Auditorium glaubt es ihr aufs Wort:

“Don't make me close one more door / I don't wanna hurt anymore.”

Im Anschluss daran dürfen Olli und Denisa noch einmal ihr schauspielerisches Talent ausleben, wenn sie das Duett „Baby, it’s cold outside“ aus dem Jahre 1944 zelebrieren. Ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus ist es, den beiden Künstlern bei diesem Hochamt der Flirtkunst beizuwohnen: Da behauptet der eine Partner, den anderen gerade verlassen zu müssen – und mag dessen Einwände dagegen doch stets nur mit gewollt-fadenscheinigen Gegenargumenten entkräften. Mimik und Gestik der Beiden sprechen ohnehin eine eindeutige Sprache und reflektieren ihre gemeinsame Haltung dem Publikum gegenüber, von dem sie sich in Wahrheit ja auch gar nicht trennen möchten.

Die Zuhörer ihrerseits fordern schon eine Zugabe, bevor der Titel überhaupt nur beendet ist, sodass Bandleader Michael Stanzel ebenso energisch wie erfreut eingreifen muss, um den ordnungsgemäßen Abschluss des Auftritts sicherzustellen.

Weiko 2019 2   Weiko 2019 5   Weiko 2019 4

 

Das Finale des Abends jedoch sollen die drei Absolventen gemeinsam gestalten, nachdem sie auch den ungewöhnlich emotionalen Dank des Bandleaders für die „phantastische Zeit“ mit ihnen entgegennehmen durften: „Ihr seid so klasse.“

Ganz still wird es im Kirchenschiff, wenn Denisa mit „I’m saving all my love for you“ zum tatsächlich letzten Mal das Rhenanus-Publikum beglücken wird. Kongenial begleitet wird sie dabei einerseits von Oliver am Piano. Und wann immer sie – womöglich noch ein Stück kraftvoller als sonst? - zu den besonders hohen Tönen des Songs ansetzt und diese gestreckt vollendet, setzt ganz zart und behutsam Yannis mit der Trompete ein.

Schöner kann ein Zusammenspiel nicht sein.

Alle Akteure des Abends samt der wieder einmal ebenso still wie perfekt arbeitenden Techniker kehren noch einmal auf die Bühne zurück, um sich – „Stille Nacht, heilige Nacht“ summend und spielend– vom Publikum zu verabschieden.   

Ihnen allen sei gedankt, aber vor allem natürlich den Musiklehrern, die stets aufs Neue junge Talente entdecken, ihnen helfen, sich bis zur Reife zu entfalten – und die dann mit ansehen müssen, wie diese Schmetterlinge in all ihrer Schönheit davonfliegen.

Erfreulich zu sehen, dass auch an diesem Konzert schon wieder ganz junge Schülerinnen mitgewirkt haben, die diese reiche Tradition fortsetzen mögen.

 

Rhenanus-Schule

Im Huhngraben 2

37242 Bad Sooden-Allendorf

Telefon : 05652 95 888 0

Telefax:  05652 95 888 29

Email:    info@rhenanus-schule.de

Kooperationspartner     

© 2017 Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf. Alle Rechte vorbehalten. Template von WarpTheme.

Streiflichter