Rhenanus-Schule
37242 Bad Sooden-Allendorf
Im Huhngraben 2

Streiflichter

Blues im Reinhardswald: Conny Heinz liest und spielt „Operation Grimm“

Eine tiefe Traurigkeit liegt über dem Märchenwald:

Rotkäppchens Wein schmeckt mittlerweile wie Essig, ihr Kuchen ist staubtrocken, das Kleid zerfetzt und sie selbst völlig abgemagert und vereinsamt. Ihr linkes Auge hat sie  im Handgemenge mit dem Wolf verloren und bewahrt es in einer Schatulle aus Baumrinde auf. Auch dem einstmals tapferen Schneiderlein geht es hundeelend in seiner winzigen Werkstatt, gepiesackt wird es von den hartnäckigen Schmeißfliegen, derer es einfach nicht mehr Herr wird.
Die sieben Zwerge müssen in ihrem stockdunklen Bergwerk ohne Petroleum und obendrein mit stumpfen Werkzeugen zurechtkommen, ihr Schneewittchen ist seit einem Arbeitsunfall lädiert. Dornröschen wartet in ihrer Kemenate vergeblich auf den Prinzen, ihre Rosen sind längst verwelkt und ihr ist sterbenslangweilig. Frustriert wartet auch der Froschkönig auf die goldene Kugel, die einfach nicht zu ihm herabfallen mag.

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Märchenerzählerin Conny Heinz aus Hofgeismar hat eine Fülle von Requisiten - von der Fliegenklatsche bis zur Kugel („natürlich aus purem Gold!“) - in die Aula der Rhenanus-Schule mitgebracht und animiert damit ihre jungen Zuschauer in verblüffender Weise zum Mitspielen. Ungeniert und ungestüm springen die Sechst- und Siebtklässler mit Feuereifer in jede Rolle, die sie ihnen bietet - zum großen Vergnügen auch der erwachsenen Zuschauer.
Aber auch den Förderstufenleiter erwischt es gleich mehrfach. Gerade eben noch von den Schülern zum großen bösen Wolf erkoren, wird er schnurstracks  zum Prinzen befördert. Von diesem Aufstieg samt Verfügungsgewalt über ein edles Holzschwert ist er so angetan, dass er darob ganz vergisst, sein Dornröschen zu befreien.

Die Ursache aber für die tiefe Depression, die den Märchenwald erfasst hat? Das waren eigentlich die Bewohner am Waldesrand: Deren längst verstaubte Märchenbücher fristen ihr Dasein unter blickdichten Spinnweben. Schon längst liest sie niemand mehr. Stattdessen haben Tablets und TV, Netflix und Netzwelt die Köpfe und Herzen der Kinder erobert. Den Märchenfiguren hat all dies die Kraft aus den Knochen gezogen, sodass sie nur noch vor sich hinvegetieren.
So kann es nicht weitergehen! Verzweifelt machen die traurigen Gestalten sich auf den Weg zu den zwei Königen auf der Löwenburg, um ihnen gemeinsam ihr Leid zu klagen. Im Bergpark, zu den Füßen des Herkules, soll nun endlich die Reißleine gegen den großen Kummer gezogen werden - oder genauer: der große Stecker.
Wie das funktioniert, erfährt an diesem Abend die einigermaßen überschaubare Zahl der Besucher, die dem märchenhaften Ruf in die Rhenanus-Aula gefolgt sind. Alle anderen aber können sich ebenfalls kundig machen unter „Operation Grimm“ und dort auch das liebevoll gemachte Märchenbuch erwerben, das Conny Heinz mit vielen Fotos aus ihrer Wahlheimat Hofgeismar und Umgebung erstellt hat.
Die Hütte des Rotkäppchen siedelt sie im Reinhardswald an, das Dornröschen auf der Sababurg  - und das tapfere Schneiderlein hat seine Werkstatt im Untergewölbe des Kasseler Bahnhofsvorplatzes, da, wo es bis vor zwanzig Jahren noch eine Unterführung in die Innenstadt gab.

Ihre Figuren - so viel sei verraten - sorgen gemeinsam dafür, dass die Menschen die Märchen wieder mit Leben erfüllen. Und die quietschvergnügten Kinder in der Aula sind sicher der beste Beleg dafür, dass die „Operation Grimm“ auch in der Wirklichkeit gelungen ist.
Einen herzlichen Dank an Conny Heinz, aber auch an Franziska Meister, die Leiterin der Rhenanus-Schulbibliothek, und an den Förderverein der Schule, der wieder einmal Stroh zu Gold gesponnen hat, um diese Veranstaltung zu ermöglichen.

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