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Im Huhngraben 2

Streiflichter

Satanische Sphären

Die Aufführung „Das Schloss an der Friedhofsmauer“

Bereits vor etwa zweieinhalb Jahren inszenierte die Theatertruppe von Isabelle Stern ein Stück, in dem eine Phalanx aus Bösewichtern im Mittelpunkt stand:
Unvergesslich geblieben ist dabei eine amüsante Szene, in der die furchtbar frustrierten Fürsten der Finsternis in einem Stuhlkreis beieinander sitzen, um sich von einem weißgekleideten Engelchen mittels psychotherapeutischer Phrasen seelisch wieder aufbauen zu lassen, nachdem sie offenbar allen Sinn für das Satanische verloren hatten.
Diese Therapie gegen diabolische Depression scheint nachhaltig geholfen zu haben, denn in der aktuellen Inszenierung der Stern-Truppe – „Das Schloss an der Friedhofsmauer“ - steht das Böse wieder in voller Blüte:
Mehrere Menschen treffen sich 2019 unter mysteriösen Umständen in einem alten verlassenen Schloss, wo noch im Jahre 1979 ein grausames Verbrechen an einem jungen Mädchen verübt wurde, passenderweise auf einer Halloween-Party. Voller Verzweiflung bat die junge Frau damals das absolute Böse in Gestalt eines Clowns um Hilfe, um Rache an ihren Peinigern zu nehmen.
Es tritt nun wiederum ein ganzes Panoptikum abgründiger Gestalten und Handlungselemente auf, die von Isabelle Stern in postmoderner Manier miteinander verwoben werden: Mit dem Harlekin Harley Quinn referiert das Stück auf die gleichnamige Gestalt aus Batman, nebst Geliebtem, dem irre lachenden Joker.
Der geradezu entzückend gespielte Graf Dracula wirbt immer wieder um seine „Braut der Finsternis“: Für die angebetete Sandra ist er jedoch schlicht noch zu klein. Elsa erinnert an die Eiskönigin aus der Disney-Variante der „Schneekönigin“, ebenso elegant wie kühl kostümiert. Sie vermag es, Eiseskälte zu erzeugen und will sich an ihrer hinterhältigen Schwester Anna rächen, die sie mit ihrem Mann betrogen hat.
Die Figur des Es entspringt Stephen Kings Roman „It“, in dem sich eine Gruppe von Kindern gegen ein abgründiges namenloses Monster wehren muss.
Annabelle, die Puppe mit übernatürlichen Fähigkeiten aus dem gleichnamigen Horror-Film, tritt in furchterregender Manier auf - und auch auf das Grimm-Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren wird angespielt, wann immer das Horror-Girl Sally ausruft, sie würde „Menschenfleisch“ riechen.
Überhaupt: Es wimmelt von Zombies und Vampiren, aber für Comic Relief wie für ironische Brüche sorgen „Mäcces“-Fan Rick oder auch Magenta, wenn diese sich etwa über das nikotinvergiftete Blut ihrer Opfer beklagt.
Kontrapunktartig zu all diesen Monstren tritt immer wieder Snow White auf, die – wohin sie auch blickt – stets die „wahre Liebe“ erkennt.

Eine besondere Leistung vollbringt Anna Apel, die mit der Figur der Sarah ein Mädchen spielt, das von einem Dämon besessen ist. Es gelingt Anna in beeindruckender Weise, dank kontrastreich wechselnder Mimik, Stimmlage und Körpersprache den Eindruck entstehen zu lassen, dass in ihr tatsächlich zwei gegensätzliche Wesen den Kampf um die Vernichtung des jeweils anderen führen. Sie erinnert damit an Regan Teresa MacNeil aus dem Film „Der Exorzist“.
Am Ende vermitteln die Worte aus Sarahs Epilog einen über das Stück hinausweisende Botschaft:
„Das Böse haben wir besiegt, aber zu welchem Preis?
Zu welchem Preis quält man einen Menschen?
Zu welchem Preis gibt man sich dem Bösen hin, nur um sich zu rächen?“

Demensprechend warnen die leitmotivartig auftretenden dunklen Gestalten Blood und Bloody das Publikum ganz zum Schluss: „Denkt ihr wirklich, das Grauen hätte ein Ende?“ und das Es frohlockt vielsagend: „Ich liebe die menschliche Eitelkeit!“
25 Kinder aus den Klassen 5 bis 11 haben an diesem ideenreichen Inferno mitgewirkt und Appetit auf mehr gemacht. Wer weiß, was für ein Einblick in menschliche Abgründe im nächsten Jahr ansteht?

 

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