Rhenanus-Schule
37242 Bad Sooden-Allendorf
Im Huhngraben 2

Streiflichter

Entlassfeier HR-Zweig

Vom Mut, einen Apfelbaum zu pflanzen

Die Zeiten, in denen Schulabgänger mit Sorge in ihre Zukunft blickten, sind vorerst offenbar vorbei: Von den 16 Absolventen des Hauptschulzweiges der Rhenanus-Schule haben 12 einen qualifizierten Abschluss geschafft, der ihnen den Besuch der Realschule ermöglicht.

Vier Absolventen haben bereits einen Ausbildungsplatz gefunden.

Unter den 23 Realschulabsolventen erreichten 21 einen Abschluss, der ihnen entweder die Tür zu einem Besuch der Fachoberschule oder gar der gymnasialen Oberstufe eröffnet.

Acht von ihnen aber werden schon in ein paar Wochen eine Berufsausbildung aufnehmen.

Auf der Abschlussfeier der Rhenanus-Schule hob Haupt- und Realschulleiter Christian Marchewka die in diesem Jahr außergewöhnlich guten Prüfungsergebnisse hervor.

Als Jahrgangsbeste in der Hauptschule wurden ausgezeichnet: Jette Velmeden (Durchschnittsnote 2,3), Maximilian Felizak (2,2) sowie Mayara Böttner mit einem Durchschnitt von 1,5.

In der Realschule heißen die Spitzenreiter: Franka Schnaubelt und Joana Heidl (jeweils 2,0), Jennifer Hardt mit der Durchschnittsnote 1,8 sowie Laura Quint (1,6).

In Vertretung von Bürgermeister Hix gratulierte Magistrats-Mitglied Michael Ruess den Absolventen und erinnerte sie daran, dass sie ihre Schulzeit in „einer wunderbaren Schule in einer wunderbaren Umgebung“ verbracht hätten. Sie sollten sich auch nach ihrem Abschluss dafür einsetzen, dass dies so bleibe und verwies dazu auf die anstehende Klimamesse und die Debatte u.a. über SüdLink am kommenden Donnerstag in der Schule.

„Mit Eurem Engagement könnt Ihr dazu beitragen, in Zukunft Fehler zu vermeiden, wie wir Alten sie begangen haben“, rief er aus.

„Talking about a revolution“, lautete durchaus beziehungsreich der Eröffnungstitel der Rhenanus-Band „Clefs“.

Auch mit der Auswahl ihres zweiten Songs („Menschen haben Träume“) hatten die Musiker um Lehrer und Bandleader Christian Wiechert sich offenbar in die Gefühlslage der Absolventen hineingedacht:

„Wo bin ich in ein paar Jahren / Habe viele Fragen und so wenige Antworten / Will nicht sein, wie alle sind“.

In Jette Velmedens Abschiedsrede im Namen ihrer 9. Klasse spiegelte sich die Nachdenklichkeit des selbstverfassten „Clefs“-Songs wider: So oft habe man über die Schule gelästert, sich über Zickereien aufgeregt, aber nun sei sie den Tränen nahe, da diese Zeit zu Ende gehe: „Wir werden das alles vermissen, auch die Lehrer, über die wir uns oft aufgeregt haben, von denen wir insgeheim aber immer ahnten, dass sie es gut gemeint haben.“

Sie danke auch den Eltern für die Kraft, Geduld und Ausdauer, die diese mit ihnen gehabt hätten: „Der eine oder andere von uns hat auch mal einen Tritt gebraucht. Für all das ein  Riesendankeschön!“

Mit ganz persönlichen Abschiedsworten bedankten die Mitglieder der Klasse sich bei jedem einzelnen Fachlehrer, bei den Sekretärinnen, dem Schulleiter und schließlich bei Hausmeister Neuenroth: „ Sie haben unseren völligen Respekt!“

Ihrem Klassenlehrer Dr. Frank Relke („Immer hilfsbereit und nie nachtragend“) übergaben sie eine selbst erstellte Zeitung in Anerkennung der vielen Zeitungsprojekte, die dieser mit ihnen unternommen hatte.

Mit Souveränität und Situationskomik meisterten die Realschülerinnen Jennifer Hardt und Joana Heide anschließend den kuriosen Umstand, dass die Abschiedsrede, die sie selbst vorbereitet hatten, streckenweise der gerade gehörten ähnle. („Aber so eine tolle Ansprache kann man sich ja auch ruhig zweimal anhören“).

Tatsächlich folgte dann jedoch eine mit Spitzen und Andeutungen aromatisch gewürzte Retrospektive. Insbesondere ein Ausflug an den Edersee schien traumatische Erinnerungen hervorzurufen – und über das, was auf mancher Klassenfahrt geschah, solle man besser den Mantel des Schweigens ausbreiten, befanden Jenny und Joana.

Hintersinnig fiel auch die Erinnerung an ihre Lehrer/innen aus: Danke für die heftigen Cooper-Tests im Sport, für all die Überraschungs-Tests im Fach Chemie, für die „Carmen-Roßbach-Festspiele“, wenn die Klasse gelegentlich fünf Stunden am Stück mit der Klassenlehrerin verbringen musste.

Und als Frau Roßbach zu ihrer großen Überraschung nach einem Apfelschäler noch einen ganzen Apfelbaum als Abschiedsgeschenk in Empfang nahm, prasselte obendrein ein heftiger Konfetti-Regen auf sie herab.

„I can’t see straight“, lautete der nächste Titel der Schulband.

Dr. Frank Relke als Klassenlehrer der H9 stellte seine Erinnerungen unter das vermeintliche Felix-Magath-Motto „Wenn Menschen Orientierung haben, gelingt ihnen auch mehr – und dann haben sie auch Spaß“. Dabei wurde schnell klar, dass gerade diese Klasse keinen autoritären Schleifer als Zuchtmeister benötigte: Kollegen beschrieben die H9 in der Regel mit den Worten „respektvoll, freundlich, unauffällig“. Und dieses positive Image habe die Klasse sich auch ohne jegliche Sozialtrainingskurse erarbeitet.

Mit einer liebevoll zusammengestellten Serie von Fotos aus den gemeinsamen Jahren sorgte er für ein amüsantes Wiedererkennen: von Nistkästenbau im Winter bis hin zu einem Schnappschuss vor der Hamburger Davidswache. Möge auch über diese Reminiszenz der Mantel des Vergessens fallen.

„Mutig, mutig!“, lautete da auch das Motto von Carmen Roßbachs Rückblick. Dazu erzählte sie zunächst die Geschichte eines Wettkampfs zwischen Maus, Schnecke, Frosch und Spatz, die herausfinden wollten, wer der Mutigste unter ihnen sei: Die Schnecke etwa verlässt ihr Haus, kriecht einmal drum herum und zwängt sich mühsam wieder hinein. Auch die anderen vollbringen aus ihrer jeweiligen Sicht Phänomenales. Der freche Spatz jedoch, von dem alle ein Maximum an Courage erwarten, sagt nur den einen Satz: „Ich…mache…nicht…mit.“

Mit den Worten „Ist das Mut? Ja, das ist Mut!“, beendet Carmen Roßbach ihr kleines Lehrstück.

Ebenso augenzwinkernd und amüsant folgt eine Rückschau über die vergangenen vier Jahre, in denen aus Kindern junge Leute wurden: Da ging es um das Hissen der Regenbogen-Fahne im Klassenzimmerfenster und die Solidarität mit den Charlie-Hebdo-Opfern, aber auch um Momente, in denen man sich gründlich auf die Nerven ging, bis hin zu den besten Ergebnissen in Präsentations-Prüfungen seit langem.

„Wichtig war mir, nie euren Willen zu brechen, sondern zu achten. Ich hoffe, wir haben euch den Mut und den Freiraum gegeben, auch einmal ‚Nein‘ zu sagen. So wie der Spatz in der Geschichte.“

In diesem Sinne wünscht auch Haupt- und Realschulleiter Christian Marchewka den Absolventen am Ende, dass sie sich auch nach ihrer Schulzeit einmischen und ein lebendiger Teil der Gesellschaft werden mögen.

„Und es gibt viele Gelegenheiten für ein Wiedersehen. Unser Schulfest am kommenden Donnerstag ist schon die erste.“

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