Rhenanus-Schule
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Im Huhngraben 2

Streiflichter

Pioniere in Baunatal

Einen neuen Weg zu einer beruflichen Orientierung junger Leute sucht der Rotary Club Eschwege. Hatte man bislang Gespräche organisiert, in denen ältere Herrschaften ihre jeweilige Berufs- und Lebenserfahrung weitergaben, versucht man neuerdings, einen unmittelbaren Eindruck von der Arbeitswelt zu ermöglichen: Die Rotarier organisieren für Schüler/innen den Besuch von Arbeitsstätten, um ihnen Antworten auf Fragen wie diese zu liefern:

  • Was würde mich in diesem Betrieb erwarten?
  • Wie gelange ich zu einer Stelle in dieser Firma, welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

So kommt es, dass die Elft-Klässler der Rhenanus-Schule nach Baunatal fahren und dort von „den Zwillingen“, zwei blutjungen Mitarbeitern des VW-Werks Baunatal, empfangen werden, die ihnen ihren Betrieb vorstellen, zunächst jedoch die Kennzahlen des Mutter-Konzerns präsentieren:

  • 10 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Jahre 2018,
  • 120 Standorte weltweit - mit 626.000 Beschäftigten,
  • 12 Marken in 31 Ländern - darunter illustre Namen wie Bentley, Bugatti und Porsche.

Jeder Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Ausbildung übrigens habe einen Anspruch darauf, für bis zu zwei Jahre ins Ausland zu gehen. Von daher seien gute Englischkenntnisse durchaus von Vorteil. Unter den 28 Standorten in Deutschland ist das Werk in Baunatal mit mehr als 17.000 Mitarbeitern die Nr. 2. Allerdings rollen hier keine fertigen Fahrzeuge vom Band. Produziert werden Komponenten: Den Schwerpunkt der Arbeit bilden Elektro-Antriebe und Abgasanlagen. 16.000 Getriebe werden von hier aus pro Tag in alle Welt versandt.

Stolz ist man in Baunatal auch auf gut 60 Patentanmeldungen pro Jahr. Wer zu VW in die Ausbildung möchte, muss sich mehr als ein Jahr im Voraus bewerben: bis zum 01. Juli 2019 für den Ausbildungsbeginn im September 2020. Wichtig sind gute Kopfnoten und zumindest ausreichende Zensuren in den Hauptfächern. Das Zeugnis sollte keine unentschuldigten Fehlzeiten aufweisen.

Besonders gute Chancen haben Bewerberinnen: Der Anteil weiblicher Mitarbeiter beträgt bislang nur 28 Prozent und soll deutlich erhöht werden. Die Bezüge der Auszubildenden sind in allen Berufsfeldern bei VW gleich: Man beginnt mit 1048 Euro im 1. Lehrjahr und steigert sich auf 1146 Euro im dritten Lehrjahr.

Übernommen werden so gut wie alle, die die Ausbildung bestanden haben. Und ihnen winkt  eine dauerhafte und sichere Beschäftigung. Gewünscht sind dabei nicht nur Überflieger, sondern vor allem auch Leute, die „menschlich passen“ - oder wie die „Zwillinge“ es ausdrücken: „Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer.“

Bei der Besichtigung der Werkshallen wird deutlich, wie sehr die Arbeit bereits automatisiert ist:

  • Die Abwicklung von 700 LKW täglich erfolgt dank einer raffinierten Verladebodentechnik nahezu automatisch. Die Anhängerböden mit den Materiallieferungen werden „just in time“, punktgenau, an die jeweiligen Produktionsplätze gebracht.
  • Selbstfahrende Fahrzeuge „wissen“ dank entsprechender Metallstreifen im Fußboden, wohin sie fahren müssen.

Aber auch die Produktion selbst ist weitgehend automatisiert:

  • In der Warmbehandlung etwa werden Platinen durch Industrieroboter auf 950 Grad erhitzt und in Sekundenschnelle wieder abgekühlt. Auf diese Weise erhält das Metall eine andere Molekularform und wird deutlich härter. Ziel ist dabei eine CO2-Reduzierung der Fahrzeuge durch Leichtbau.
  • Nach der Warmumformung gelangt das Metall wiederum automatisch in den „Laserpark“, wo es überprüft wird.

Gibt es bei alledem denn auch noch etwas für Menschen zu tun? Keine Sorge! In den Werkshallen geben junge Auszubildende freundlich und ohne zu zögern Auskunft über ihre Aufgaben:   

  • Zerspanungstechniker tragen Metallteile ab, es wird gefräst, gedreht, gebohrt und geschweißt, Werkstoffprüfer analysieren die Ursachen von Mängeln, im Trainingscenter wird getüftelt und ausprobiert, wie Stationen und Arbeitsprozesse ergonomisch optimiert und dadurch auch die Stückzahlen erhöht werden können. Es gibt Mechatroniker, Fachkräfte für Lagerlogistik, Feuerwehrleute für den Gefahrenschutz und ein eigenes Gesundheitswesen. IT-Fachleute warten die Systemelektronik und programmieren die Roboter.

Und in Europas größter Gießerei (1200 Mitarbeiter) werden keine Blumen gegossen, sondern Getriebegehäuse: 13 Millionen Gussteile pro Jahr. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb. Alle 2 Stunden werden die Positionen gewechselt, um sicherzustellen, dass die sich wiederholenden Tätigkeiten nicht zu einer Erhöhung des Krankenstandes führen. Der Betrieb verfügt über ein eigenes Fitness-Studio. Jeder Mitarbeiter, der Sport oder Leistungsport betreibt, wird unterstützt und ggf. freigestellt. Und wer sich zweimal im Jahr einem Gesundheits-Check unterzieht, erhält dafür eine Prämie. Prämiert wird ebenfalls jeder, der einen praktikablen Vorschlag zur Optimierung der Arbeitsprozesse einbringt: das kann von 100 Euro bis hin zu einem fünfstelligen Betrag reichen.

Wer sich für eine Laufbahn bei VW interessiert, sollte sich über www.vw-karriere.de bewerben. Es folgen umfangreiche Präsenztests, Arbeitsproben, Einzelinterviews und ein Gesundheits-Check samt Drogentest. Wer schließlich alle Hürden passiert hat, absolviert Kennenlern-Wochen, rotierende Ausbildungsstationen und alle acht Wochen neue Ausbildungsgruppen – mit dem Ziel, nicht nur viele Kollegen kennenzulernen, sondern auch Freundschaften zu schließen.  

Die Reaktionen der Elft-Klässler auf die Konfrontation mit der Arbeitswirklichkeit im Betrieb sind sehr differenziert:

  •  „Ich fand es gut, mal hinter die Kulissen eines solchen Werks blicken zu können“, hebt Emma hervor. Clemens und Philipp hingegen hätten sich gewünscht, auch Mitarbeiter zu treffen, die ein duales Studium absolvieren. Im Berufsraumwahlraum der Schule hätte VW sich wahrscheinlich ganz anders präsentiert. Die heutige Führung wäre für die Zielgruppe der Realschüler besser geeignet gewesen. 
  • Die moderne Technik mit Industrierobotern und selbstfahrenden Fahrzeugen war für den oder anderen Schüler sehr interessant („Würde jederzeit wieder an so einer Führung teilnehmen“), während andere die laute und stickige Atmosphäre in den Werkshallen bedrückend fanden.

Sicher ist es aber auch sinnvoll, einmal hautnah zu erleben, unter welchen Bedingungen die materielle Substanz geschaffen wird, auf der unser Wohlstand beruht.

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