Rhenanus-Schule
37242 Bad Sooden-Allendorf
Im Huhngraben 2

Streiflichter

Einheit in Vielfalt: Zum Weihnachtskonzert 2018

Mit den Worten „Liebe Nachbarn, wir haben euch herbeigesehnt“, begrüßt Pfarrer Spill die Gäste aus der Rhenanus-Schulfamilie in der weihnachtlich gefüllten St. Crucis-Kirche: „Wunderbar, dass Ihr wieder bei uns zu Gast seid!“ Ein langgehegter Wunsch gehe in Erfüllung.

Schulleiter Dr. Möller bekräftigt, ein Weihnachtskonzert gehöre selbstverständlich in eine Kirche und fügt augenzwinkernd hinzu: Gern werde man sich musikalisch mit anderen Gästen messen, die hier schon aufgetreten seien – etwa dem Thomaner-Chor und den Don-Kosaken.

Hätte jemand die Kirche seit dem letzten dort gegebenen Rhenanus-Konzert vor 9 Jahren nicht mehr besucht, er würde sie wohl kaum wiedererkennen: Ebenso einfallsreich wie geschmackvoll renoviert, ist sie zu einer Augenweide geworden – und dank der aus Cambridge eingeführten majestätischen Orgel auch zu einem Ort inspirierender Klangerlebnisse.

Was für eine raffinierte Einheit Licht und Klang miteinander bilden können, sollte an diesem Abend noch deutlich werden.

Den Auftakt setzt das Kammerorchester der Schule unter Leitung von Inga Löser, das mit dem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Kirchenlied „O komm, o komm, du Morgenstern“ das „Dunkel unserer Nacht“ vertreiben und die Freude über die Nähe des Herren bekunden solle, wie die beiden versierten und souverän auftretenden Moderatoren Clemens Kampmann und Yannis Stegmann erläutern.

Um Gegenpole geht es auch in den beiden anderen Stücken des Kammerorchesters: in „Beauty and the Beast“ um das komplizierte Verhältnis zwischen der bezaubernden Christine und dem gesichtslosen Phantom im Kellergewölbe des Pariser Opernhauses; in „Pirates of the Caribbean“ um den Zusammenhang von Gier und Sühne. Über die Auswahl gerade dieser Stücke haben die jungen Musiker sich sehr gefreut – und ganz offenbar auch das Publikum.

Nach diesen musikalischen Einblicken in die Abgründe menschlicher Existenz widmet sich die Schulband „Clefs“ unter der Leitung von Christian Wiechert zunächst der ungetrübten Lebensfreude. Mit Ed Sheerans Song „Perfect“ zelebrieren sie, wie jemand den Partner fürs Leben fand und sich daran in aller Bescheidenheit erfreut:

“I don’t deserve this, darling, you look perfect tonight” – die Umsetzung des Liedes wirkt dabei so tadellos wie auch Outfit und Auftritt aller Aktiven am heutigen Abend.

Anklänge an die Schattenseiten des Daseins finden sich hingegen in Tracy Chapmans Song „Talking about a revolution“ („While they're standing in the welfare lines /
Crying at the doorsteps of those armies of salvation”), wobei Moderator Yannis Stegmann vorsorglich darauf hinweist, dass die Clefs weder politische Botschaften verbreiten noch gelbe Westen tragen.

Eine milde Dosis Sozialkritik deutet die Band gleichwohl mit ihrem letzten Stück an: Auf der Suche nach einem passenden Weihnachts-Song habe sie die Enttäuschung über den kommerziellen Missbrauch der in der Adventszeit „rauf- und runtergespielten“ Christmas-Songs dazu bewogen, ein eigenes Lied zu verfassen. „Bislang haben sie Hits interpretiert, jetzt schreiben sie selbst einen“, kommentiert Yannis.

Bei ihnen geht es um „die schönste Zeit“ des Jahres, um „Kekse und Kakao“, um Leute, die sich „um Geschenke fetzen“, aber eben auch um „arme Menschen, die einsam durch die Straßen ziehen“.

In diese nachdenklichen Verse allerdings platzt dann in postmoderner Manier wieder der sattsam bekannte Schmachtfetzen von „Wham“ hinein („Laaast Christmas, I gave you my…“).

Am Ende jedoch setzen sich in dieser Schlacht der Texte der Song und die Botschaft der Clefs durch:

„Dann liegt’s an uns, mal endlich aufzustehn [...],

Was zählt, ist, für den anderen da zu sein,

Zusammen sind wir stark“

Das Publikum dankt es ihnen mit tosendem Applaus.

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Nach der Pause werden die Zuschauer Zeugen eines außergewöhnlichen Gesamtkunstwerks:

Auf der Empore stehend, präsentieren der Chor und die Band „Boneless“ ein Arrangement aus Partikeln unterschiedlicher Werke, die nahtlos ineinander übergehen und dabei eine Geschichte erzählen. Dieses Opus mit dem Titel „Weihnachtsengel“ wurde geschaffen von Michael Stanzel.

Es beginnt mit düsteren Orgeltönen, gefolgt von einer ausgesprochen tief gesungenen und  lange ausgehaltenen Variante des Liedes „Als aller Hoffnung Ende war / im dunklen Weltenlauf“ (Denisa Zaharia und Oliver Schöniger), das sich auf den Beginn der Weihnachtsgeschichte bezieht. Trompetentöne und Denisas nunmehr hohe Stimmlage markieren dann offenbar den aufgehenden Stern von Bethlehem. An diese Passage schließt sich Aaron Coplands „Fanfare for the common man“ an, die im Laufe des Opus mehrmals wiederkehren wird: majestätische Töne, die für Copland jedoch gerade den Triumph des einfachen Menschen zelebrieren sollen - gewiss kein Zufall, dass gerade dieses Element im Laufe des Arrangements zum Leitmotiv wird.

Mit zahllosen filigran verknüpften Werkzitaten und -varianten bei sehr unterschiedlichen Lautstärken, aber mit stets gleichbleibendem Tempo präsentieren Chor, Band und Orgel in kontrastreicher Weise den Weg der Weihnachtsbotschaft vom aufgehenden Stern in der Dunkelheit über die Hymnen der Engel („Angels from the Realms of Glory“) und das Einstimmen der Hirten in den Lobgesang bis hin schließlich zum Wiegenlied „Vom Himmel hoch, ihr Englein kommt“. Gerade bei diesem Stück werden die Lautstärkeveränderungen, vor allem durch die Orgel, voll ausgereizt.

Antithesen von hellen und dunklen Passagen korrespondieren dabei mit einem Konzept wechselnder Beleuchtung im Kirchenschiff, souverän gemeistert vom Technik-Team.

Der Funke springt auf das Publikum über, etwa dann, wenn Band und Chor das erste Lied („Als aller Hoffnung Ende war“) in der ebenso populären wie fröhlichen englischen Version („Mary’s boychild Jesus Christ“) wieder aufgreifen und die Zuschauer zum Mitklatschen verführen, bis ein Trompetenstoß Einhalt gebietet.

Überhaupt gerät das Publikum in auffälliger Weise in Bewegung, da die Akteure sich auf der Empore befinden, man sich immer wieder gern zu ihnen umdreht und dabei natürlich auch die anderen Gäste kontaktfreudig in den Blick nimmt, statt immer nur strikt geradeaus zu schauen – eine Umorientierung, die im anschließenden Zugaben-Teil noch markanter wird.

Ohne einen heftigen Bonus-Teil kann ein so starkes Konzertprogramm natürlich nicht enden:

Dazu wird der Kirchenraum nun optimal ausgenutzt: Ein Wechselspiel von Zugaben strömt aus allen Richtungen – vom Altarraum aus sind es das Kammerorchester und die „Clefs“, von der Empore aus Band, Chor und Orgel, und schließlich ertönen noch kräftige Trompetenstöße von der Kanzel und vom Seitenschiff.

Jede der Gruppen intoniert die jeweiligen Titel dabei ganz in ihrem eigenen Stil:

Dezente Einheit in Vielfalt.

Das Publikum genießt es und stimmt – singend und summend – mit ein.

„Ein Weihnachtskonzert gehört in eine Kirche“: Besser als am Beispiel des heutigen Abends hätte man diesen Gedanken kaum illustrieren können.

Ein herzlicher Dank an alle Mitwirkenden!

Bewertung: 3 / 5

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