Rhenanus-Schule
37242 Bad Sooden-Allendorf
Im Huhngraben 2

Streiflichter

40 Jahre Ferien - ein Lehrer packt ein

Ab und zu muss der ältere Herr angesichts seiner Lektüre einen kräftigen Schluck Rotweins zu sich nehmen: „Bei der Blockflöte reicht der Schall immer bis zum ersten Loch“, heißt es etwa in einer der Klausuren, die er durcharbeitet – oder: „Ein berühmtes Lied vom Händel trägt den Titel ‚Hallo Julia‘“.

Da landen dann schon einmal Rotweinflecken auf der Klausur. Kaffeeflecken wären pädagogisch allerdings weitaus günstiger. Ist nämlich besser, wenn die Schüler denken, dass ihr Lehrer sich bei der Korrektur nächtelang wachhalten musste. „Dann muss ich wohl die Rotweinflecken mit Kaffee überpinseln“.

Wiedererkennendes Lachen beim „Fachpublikum“ in der gut gefüllten Aula der Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf. Als „Soft Opening“ zur 800-Jahr-Feier der Stadt hat der rührige Förderverein der Schule den Gymnasiallehrer und Kabarettisten Hans Klaffl (Künstlername samt Apostrophen-Alarm: „Han’s Klaffl“) mit seinem Programm „40 Jahre Ferien“ eingeladen. Ein Programm, das wirklich niemand schwänzen sollte!

Denn bei Klaffl bekommen einfach alle Mitglieder der Schulgemeinde ihre Zeugnisse ausgehändigt: Schüler, die nicht duschen wollen, weil dann ja das Bauchnabelpiercing verrosten könnte; Lehrer, die in Konferenzen erst dann aufwachen, wenn es um die „beweglichen Ferientage“ geht; aber auch Eltern und „andere Erziehungsversuchende“, die sich auf dem Elternsprechtag nicht so ganz sicher sind, in welche Klasse ihre Jessica denn eigentlich geht („Das ist so eine Blonde, wissen Sie, die anderen rufen sie ‚Jessi‘“).

Ohnehin aber erlebten Eltern ihr Kind oft ganz anders als die Lehrer. Klaffl nennt es die „Diskrepanz zwischen gefühlter und gemessener Intelligenz“. Genau genommen gebe es von jedem Kind sogar gleich zwei Exemplare: Leider bleibe das Wissbegierige aber meistens zu Hause, stattdessen komme Mr Hyde zur Schule.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit an diesem Abend jedoch stehen immer wieder die unterschiedlichen Lehrertypen. In Klaffls Phänotypologie sind dies zum einen diejenigen, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, die jede Neuerung und jede andere Katastrophe auszusitzen gelernt haben - wie auch diejenigen, die seit dem Erreichen ihres Beamtenstatus wegen gefühlter Überlastung in den Burnout-Modus gewechselt sind; ferner die Choleriker und Meister der pädagogischen Blutgrätsche, die die Schüler für ihre natürlichen Feinde und Eltern für eine „kriminelle Vereinigung“ halten - und schließlich die „gütlichen“ und Wohlmeinenden, die das Kind stets nur im besten Lichte wahrnehmen und ihren Unterricht so attraktiv wie möglich gestalten möchten, Kollateralschäden nach dem Crêpes-Backen in der Schulküche inbegriffen. Immerhin lernten die Schüler dabei doch, was Pfannkuchen auf Französisch heißt.

Das Frappierende an den Kindern aber sei, so Klaffl, wie sie damit umgehen könnten, alle 45 Minuten den Schrullen eines anderen Lehrer-Phänotyps ausgesetzt zu sein. Das genau schaffe soziale Kompetenz - und stellt, wer weiß, womöglich das heimliche Lernziel von Schule dar?

Als Musiklehrer beherrscht Klaffl auch den Kontrabass und das Piano, überrascht sein Publikum immer wieder mit verblüffenden Parodien auf Melodien, die sich nach langen, langen Dienstjahren eingeprägt haben: Aus Henry Valentinos „Im Wagen vor mir fährt ein schönes Mädchen“ wird dabei „Was soll ich denn nur auf dem Elternsprechtag?“ und ausgerechnet Monty Pythons „Always Look On The Bright Side Of Life“ wird zu einer listigen Hymne auf das Schulklo.

Und was ist mit all denjenigen, die „höheren Orts“ Verantwortung für das große Ganze tragen, sei es in Schulämtern oder in Ministerien? Solange sie nur in ihren Amtsstuben säßen, beruhigt uns Klaffl, seien sie vollkommen unschädlich. Wehe aber, sie fingen an zu denken oder gar zu planen!

Alarm sei angesagt, wenn solche Experten das Schulwesen verbessern wollten. Dies sei in etwa so, als ob die Lufthansa Fachleute anheuern würde, die ihre Piloten beraten sollten - und als einzige einschlägige Qualifikation die Erfahrung mitbrächten, als Kind schon einmal vom Baum gefallen zu sein.

Klaffl 2

Beim Gespräch in der Pause, die „eine Viertelstunde, also 16 Minuten“ dauern soll, äußern sich die vom Förderverein eingeladenen Ehrengäste, allesamt aktiv im Living-History-Projekt „Allendorf bei Nacht“, enthusiastisch: „Herzerfrischend und genial, besonders diese Auswahl von Lehrertypen“, freut sich Stadthistoriker Gerd Rademacher. Kirchenvorsteherin Ursula Rademacher relativiert: „Natürlich passen nicht alle Lehrer in diese vier Schubladen“. Gleichwohl: „Das ist ein Super-Einstieg für die Festwoche“, findet Kirchenältester Werner Voss, „zumal für eine Schulstadt mit Tradition wie Bad Sooden-Allendorf“.

Erhellend geht es nach der Pause weiter: Schüler kommen zu spät, sagt Klaffl, Lehrer hingegen „wurden aufgehalten“. Ein wahres Feuerwerk an Gags folgt und das Publikum lauscht bis zum Schlussgong hochgradig motiviert den Erzählungen von den Grundschullehrerinnen, die, wenn sie ein Eichhörnchen überfahren, es mit nach Hause nehmen, um es zu laminieren - oder von den Praktikanten, die älteren Lehrkörpern auf den Korridoren vorauseilen müssen, um die Bewegungsmelder in Gang zu setzen.

Am Ende bedankt der Künstler sich beim Technik-Team der Rhenanus-Schule und insbesondere bei den Mitgliedern des Fördervereins, namentlich bei Frau Claudia Mehmel, die mit ihrem Charme gewiss auch das Herz eines Hardcore-Spötters brechen könnte. Hans Klaffl aber ist bestimmt kein Zyniker. Im Grunde seines Herzens muss er diesen Beruf lieben, den er bis zur Pensionsgrenze ausgeübt hat - und ganz ohne Zweifel liebt er auch die Objekte seiner blitzgescheiten Beobachtungen.

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