Eine Prüfung kann Spaß machen

Das bewiesen die Schüler, die in der Rhenanus-Schule ihren Eignungstest für die Sportklassen machten.

Sie waren mit viel Eifer, aber auch Freude dabei und hinterließen bei den Prüfern trotz unterschiedlicher Leistungen einen positiven Gesamteindruck.

 

Locker: Mohammed am Start zum 20-Meter-Sprint. Derweil herrscht bei den wartenden Mitprüflingen in der Leichtathletikhalle der Rhenanus-Schule gute Laune. Fotos: Kopietz

Locker: Mohammed am Start zum 20-Meter-Sprint. Derweil herrscht bei den wartenden Mitprüflingen in der Leichtathletikhalle der Rhenanus-Schule gute Laune.

So wie Can: Der Zehnjährige will unbedingt in die Sportklasse und meistert gleich den Reifenparcours auf dem Hallenboden mit Bravour – seine Füße federn nur so von Reifen zu Reifen. Und der Junge erntet Lob – von seinen Mitschülern: „Das war gut!“

„Man merkt natürlich, wenn Kinder so etwas schon einmal trainiert haben“, sagt Thomas Weise, „das sind dann die Unterschiede. Er und die anderen Sportlehrer Georg Lehrer und Timo Bode notieren in den Listen auf den Klemmbrettern penibel jede Leistung oder Nichtleistung der Kinder. 35 wollen den Sprung in die zwei Sportklassen schaffen, die für den Gymnasial- und Förderstufenzweig eingerichtet werden. Das bedeutet: Als Fünftklässler haben die Kinder neben den normalen drei Sportstunden pro Woche vier weitere Stunden in den Sportarten Leichtathletik oder Basketball.

Ein Mehr an Sport, das den Kindern enorm zu Gute kommt, wie Siegfried Frühauf, Leiter des Schulsportzentrums, sagt. Die motorische Entwicklung der Kinder werde viel mehr gefördert – nicht nur in den Sportarten. „Das Training, wie in der Leichtathletik, macht auch Fußballer schneller und wendiger.“

Schnell sind einige der Mädchen und Jungen, die sich um die besondere Sportförderung bewerben, bereits: Beim Sprint über die 20-Meter-Distanz fliegen sie förmlich ins Ziel, und jubeln, wenn sie die per Lichtschranke gemessene Zeit hören. Die Freude lässt dem Lampenfieber in diesen Teststunden keinen Raum.

Als Can den Ball neun Meter weit wirft und Julius 1,75 Meter aus dem Stand weit springt, freuen sie sich diebisch und werden bejubelt. „Die Kinder gönnen sich die Weite“, sagt Georg Lehrer.

Die Mütter auf der Empore schauen zu, sind kritische, aber begeisterte Beobachterinnen. Mancher Akteur schaut nach einem Sprung oder Sprint flüchtig hinauf, möchte einen zustimmenden Blick erhaschen. Leona hält sogar Rücksprache mit ihrer Mutter: „Gut gemacht“, Ansporn für den nächsten Test.

Der läuft in der großen Sporthalle. Die Basketbälle liegen bereit und alle wollen sofort ihr Können zeigen. „Ruhe bitte!“ Timo Bode bremst den Tatendrang, erklärt ein paar grundsätzliche Dinge wie Fingerhaltung und Technik, fragt auch, wer denn Basketball als Sportart wählen will: Viele Kinder wissen noch nicht, was sie wollen. „Hauptsache Sport“, sagt ein Junge und trifft den Nerv vieler, die hier dabei sind.

Sie wollen Sport treiben. Sie sind die Motivierten. Die unter Bewegungsmangel und Übergewicht leidenden Kinder nehmen an der Auswahl für die Sportklassen höchst selten teil. Sie müssen im normalen Sportunterricht angespornt werden, sagt Frühauf. Die Sportklassen also sind von Beginn an eine Begabtenförderung. Und sie sind an der Schwerpunktsportschule das Reservoir für den seit Jahrzehnten erfolgreichen Schulsportclub (SSC), aus dem gar deutsche Meister und Olympia-Teilnehmer hervorgingen.

Von Thomas Kopietz

 

Mit freundlicher Genehmigung der HNA